Freitag, 24. März 2017
 
   
 



Wild
Weiße Geradlinigkeit trifft auf Safari-Look. Zum Beispiel am Hochglanz-Esstisch „Ambrogio“ von Olivieri, wo man auf Kartell-Stühlen mit Leopardenmuster isst


Das erste Problem erkannte Axel Schäfer direkt am Eingang – als er auf der Baustelle durch das Loch stieg, wo später einmal die Haustür eingehängt werden sollte.

 

„Die Villa hat eine gerade Blickachse von der Eingangshalle  vorn bis zur hinteren Terrassentür in den Garten und ist mit Treppe und Galerie absolut symmetrisch angeordnet. Anstatt sich in diese Fluchtachsen zu integrieren, stand die Schlafzimmertür oben gute 60 Zentimeter zu weit rechts. Das war ein regelrechter Störfaktor“, erinnert sich der Interior-Designer an seinen ersten Hausbesuch im Südwesten Berlins. Schäfer kam als eine Art ­ästhetische Feuerwehr zum Projekt, als die Bauherren das Gefühl bekamen, vom ausführenden Architekturbüro nicht genau das Wohngefühl geliefert zu bekommen, welches ­ihnen eigentlich vorschwebte.

 


Eine der ersten Rettungsmaßnahmen: Die Tür wurde versetzt. Ein wichtiges Anliegen für den Interior Designer, der mit seiner Firma Berlinrodeo das Konzept des „ganzheitlichen Designs“ verfolgt. Schäfers Arbeit kann vom ersten Entwurf bis zur Bestückung von Besteckschub­laden und Blumenvasen reichen. „Um einen Raum erlebbar zu machen, müssen möglichst viele Sinne stimuliert werden“, so der Designer. Dabei können neben visuellen auch akustische oder olfaktorische Reize eine Rolle spielen. Für eine psychia­trische Privatklinik kreierte er sogar einmal ein eigenes Raumparfum, das eine positive Einstellung des Patienten fördern und Aggressionen vermindern soll.

 

Wichtig ist bei ­jedem neuen Projekt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Klienten, seinem Stil, den Vorstellungen und dem Ort selbst. In diesem Fall sahen die Wünsche folgendermaßen aus: Während der Bau mit Spitzdach und Säuleneingang eher an eine traditionelle Stadtvilla erinnert, sollte innen die Formensprache und Zeitlosigkeit der klassischen Moderne herrschen. Allerdings unbedingt mit einer guten Portion Mut zum Bruch. „Da war ich mir mit der Bauherrin einig und das zeigt sich nicht nur in einem der Stücke, die sie persönlich zur Einrichtung beisteuerte, einem verspielten Lüster aus Murano-Glas“, sagt Axel Schäfer. Heute hängt der opulente Kronleuchter über einer langen weißen Tafel im Erdgeschoss. Die untere Etage ist in fünf verschiedene Bereiche unterteilt, die sich alle offen aneinanderfügen: ­Küche, Essbereich, Lounge, Bibliothek und TV-Zimmer. Türen gibt es nur dort, wo sie unabdingbar sind.

 

 

 

 

Arche-Typ: In dieser Villa sitzen Kühe und Leoparden, Plastikstühle und Murano-Glas friedlich im selben Boot. Designer Axel Schäfer sorgte hier für einen animalischen Stilmix



 

Text

Sandra Piske

 

Fotos

Adrian Schulz

 

 

 

Komplette Story: H.O.M.E. September 2010