Montag, 23. Oktober 2017
 
   
 



Weiße Wucht. Die skulpturale Form des ­„Sotogrande House“ war den Architekten von A-Cero wichtig. Sie ergibt sich aus aufeinander­gesetzten Quadern


Wenn es in Madrid Hochsommer wird, ist die Stadt wie leergefegt. Viele Spanier flüchten in ihre Sommerhäuser in den Süden, zum Beispiel nach Cádiz, wo das nahe Meer für eine angenehme Brise und Erfrischung sorgt. Zwei Monate im Sommer und einige Wochenenden im Jahr verbringt auch ein Kunde von Joaquín Torres vom Architekturbüro A-Cero im Süden. Für diese wertvolle Zeit mit seiner Frau und den drei Kindern wünschte er sich ein helles und modernes Haus, das trotzdem weder kalt noch steril wirken sollte.

 

Nach diesem Briefing entstand das „Sotogrande House“. „Entsprechend unserer Designphilosophie besitzt es eine skulpturale Form“, sagt Architekt Joaquín Torres. Die äußere Form wird bestimmt durch aufeinandergesetzte Quader mit angeschrägten Seiten. „Sie verschmelzen ineinander wie das Licht und das Mittelmeer“, erklärt Torres poetisch. Die Farbe Weiß ist sowohl auf den 400 Quadrat­metern Wohnfläche als auch außen dominant, wird aber immer wieder durch Details aus Holz oder durch bunte Stoffe durchbrochen. Mit seiner modernen Form hebt sich das „Sotogrande House“ deutlich von der Nachbarschaft ab, deren Häuser überwiegend vor etwa 60 bis 70 Jahren erbaut wurden.

 


Wichtig waren dem Bauherrn Plätze, an denen sich Familie und Freunde treffen können, an denen sie sich unterhalten, entspannen, aber auch ausgelassen feiern können. Am Pool gibt es eine Bar mit Kühlschränken und einen Grill für Partys. Auf der 80 Quadratmeter großen Dachterrasse sind großzügige, weiße Sofas mit bunten Kissen und Stoffbezügen. Auch im Haus findet man viele Gelegenheiten, sich zusammen niederzulassen. Das Wohnzimmer ist unterteilt in einen kommunikativen Bereich und in eine Sofaecke zum Ausruhen und Fernsehen. Auch im Esszimmer und in der Küche ist viel Raum für gemeinsames Essen.

 


Alle Räume sind mit weißem ­Marmor ausgelegt, den der Archi­tekt ­wegen seiner kühlenden ­Eigen­schaft ausgewählt hat und der dem Inneren Konstanz und Harmonie verleiht.

 


Die Einrichtung ist eine Mischung aus maßgefertigten Entwürfen von A-Cero und modernen Klassikern, wie der weißen Ausgabe des „Eames Lounge Chair“ von ­Vitra. „Wir denken, dass die Architektur nicht mit der Fassade aufhört, sondern eine Einheit bilden sollte mit dem Interior-Design, der Gartenlandschaft und allem, was sonst noch zum Grundstück gehört“, sagt Architekt Joaquín Torres. Da er selbst begeisterter Kunstsammler ist, hat Torres einige Bilder ausgewählt, etwa ein schwarzes Ölgemälde des spanischen Malers Ricardo Cavada oder ein Landschaftsfoto von Dionisio González. Beide hängen im Wohnzimmer.
Die privaten Rückzugsräume ­befinden sich im ersten Stock. Das große Schlafzimmer verfügt über einen eigenen Ankleideraum. Auch Kinder und Gäste schlafen auf der Etage, die von einem Balkon umgeben ist.

 


Das Bad hat eine beeindruckende Größe von 25 Quadratmetern. Vor dem seitlich beleuchteten Frisiertisch steht ein Hocker mit einem afrikanisch anmutenden Stoffbezug, „damit wollten wir den geradlinigen Stil auf lustige Art durchbrechen“, sagt Torres. Die großen Fenster lassen Tageslicht in den Raum, sind aber so positioniert, dass niemand hineinblicken kann.

 


Für Joaquín Torres war das „Soto­grande House“ ein Projekt ganz nach seinem Geschmack. „Die kurze Bauzeit, die zugänglichen Eigentümer und die gestalterische Freiheit für uns als Architekten ­boten fantastische Bedingungen.“ Mit einem fantastischen Ergebnis.

 

 

 

Meer aus Weiß

 

Die Architekten von A-Cero haben im ­südspanischen Cádiz ein ­
Ferienhaus gebaut, in dem der Sommer niemals enden sollte

 

 

Text

JUDITH JENNER

 

Foto

LUIS HERNANDEZ SEGOVIA





Komplette Story: H.O.M.E. September 2010