Mittwoch, 28. Juni 2017
 
   
 



KULTIGE COLLAGE
Chinoiserie, Euphorbia und Arne Jacobsens „Egg Chair“ (Hersteller: Adelta) harmonieren im Wohnsalon. Der helle Boden soll die luftige Höhe betonen. Die Leuchte ist eine Sonderanfertigung des Hausherrn, das weiße Sofa im Hintergrund ebenso


Die Wolke kommt in Flieder, und manchmal ist sie schwer, dunkel. Die Farben der Nacht zeichnen sich in solchen Momenten ab, glänzen am satten Braun des Makassarholzes, aus dem sich ringsum das Bett abzeichnet. Ein weicher Teppich schluckt souverän jedes störende Geräusch, und genau das tut auch die Fliederwolke – kein Traum, und wenn doch, dann bloß der Traum von einem rundum laufenden Vorhang, der sich wie ein weites Zelt um das Bett stülpt. Oder wie ein Theatervorhang, hinter dem jeden Abend dasselbe Stück neu geprobt wird. Es heißt: Traumwelt, Nachtspiel. Es füllt die Räume, in denen die Fantasie neue Wurzeln schlagen, fremdere Blüten treiben kann als im hellen Alltag …

 

 


Das Schlafzimmer ist der Lieblingsplatz des Bewohners, und es öffnet Membrane in eine andere, flüchtige Welt. Von den Farben der Nacht, die dort herrschen, war schon die Rede. Gerne zeigt ­Sebastian Menschhorn, der Wiener Designer und Innenarchitekt, der neben so vielem anderen auch sein eigenes Bett entworfen hat, wie es hinter dem Betthaupt weitergeht: mit einem düsteren Garten, den die britischen Tapetenspezialisten von Osborne & Little an der Wand zum Ankleideraum wuchern lassen. Granatapfel findet sich hier. Tropische Ananas, exotische Ranken und fleischige Blätter. Ein grauschwarzer Garten der Fantasie am Hinterausgang der Fliederzeltwolke – das ist kein schlechter Einstieg in den Tag.

 

 


Verlässt Sebastian Menschhorn die Membran in Gegenrichtung, dann tritt er in ein anderes, ganz und gar lichtes Bild. Drei kurze Schritte weg vom Bett, schon lädt eine Terrasse zum Aufwachen ein, und natürlich die ersten Bäumchen, die hier wie eine kleine, einzeilige Balkonkübel-Allee den Wiener Innenstadthimmel entlang defilieren: Limetten, Kumquat, Marillen und ganz am Ende die neue Feige, ein schöner Abschluss für ein Dachgarten­paradies.

 

 


Manchmal nutzt Sebastian Menschhorn die lang gestreckte Terrasse so, wie wohl nur wenige Privilegierte eine Terrasse nutzen können: nämlich als nette, überschaubare Strecke für den kleinen, längst vertrauten Abendspaziergang, weil man sein Wiener Innenstadtrefugium an diesen Abend doch nicht mehr so recht verlassen, lieber den Fortschritt der Äpfelchen (vier Sorten auf einem Baum!) und der Walderdbeeren kontrollieren mag.

 

 

 

 

Einfach himmlisch: Hoch über den schönen Dächern der Wiener Innenstadt hat der Designer Sebastian Menschhorn sein riesiges Penthouse mit wahr gewordenen Wohnträumen aus allen Ländern und Epochen gefüllt




 

Text

Robert Haidinger

 

Fotos

Philipp Kreidl, Thomas HUber: Studio I Vortrag/1992/© VBK, Wien 2010, Urs Lüthi: Selbstportrait aus der Serie der blumenbilder, Pierre et Gilles: les Plaisirs de la forêt: suie Bick und Enzo

 

 

Komplette Story: H.O.M.E. Österreich Oktober 2010