Donnerstag, 14. Dezember 2017
 
   
 



Das iPad also. Mittlerweile wird man ja nicht mehr ­bestaunt wie ein Außerirdischer, wenn man mit dem 24,2 mal 18,9 Zentimeter großen Elektroniktablett U-Bahn fährt und, sagen wir, in der neuesten Ausgabe des „Spiegel“, der „Financial Times“ oder von H.O.M.E. blättert. Sich das eine oder andere Filmchen reinzieht. Zwischendurch mal eine Runde „Monkey ­Island“ spielt. Oder rasch mal auf der feingepixelten Karte nachsieht, ob man auch bei der richtigen Haltestelle aussteigt. Der Konsument gewöhnt sich umgehend an den Status quo der Medien- und Computerwelt. An einen Status quo, der – und das bekommt man doch nicht alle Tage frei Haus geliefert – ungebrochen State of the Art ist. Zwar hat das iPad mittlerweile Konkurrenz bekommen, etwa vom (durchaus gut gelungenen) Samsung Galaxy Tab. Aber es definiert, Steve Jobs darf frohlocken, weithin unangefochten das Machbare, den Umbruch, die Avantgarde.
Laut Hersteller handelt es sich schlichtweg um „fortschrittlichste Technik in einem magischen und revolutionären Gerät zu einem unglaublichen Preis“. Derlei PR-Pathos befeuerte monatelang die allgemeine Erregung rund um Apples Erfolgsprodukt, das neue Tabernakel der digitalen Boheme. Nachdem nun die Katze aus dem Sack ist, von Normalbürgern und Durchschnittskonsumenten gestreichelt und gekauft werden kann (bislang wurden über sechs Millionen Stück abgesetzt), ergießt sich die Energie von Journalisten, Bloggern, Nerds, IT-Experten und Verlags-Zampanos in Spekulationen über das Pro und Contra des prototypischen Lieblingsspielzeugs einer neuen Generation von Medienkonsumenten. Werbe-Guru Amir Kassaei (DDB Germany) brachte es per Twitter-Statement auf den Punkt: „It’s not the tablet, stupid, it’s the digital lifestyle strategy!“ Es geht also weniger um technische Details als um einen Masterplan, den Apple-Vordenker Steve Jobs – Kassaei zufolge – „wie ein Schachgroßmeister Zug für Zug umsetzt“. Und der absehbar unser aller Leben umkrempelt.
Ganz unrecht haben die Auguren wohl nicht: Das iPad schlägt die Brücke vom schnöden Laptop, der zuvorderst den Schreibtisch und die Arbeitswelt repräsentiert, zur Lifestyle-Couch. Und damit in den Freizeit-, Spiel-, Spaß- und Intimbereich. YouTube-Videos, Fotos ansehen im Freundeskreis, stundenlange „Monkey Island“-Game-Sessions oder Leseabende im Bett – mit „Instapaper“ lassen sich interessante Artikel im Web auch offline gut vorrätig halten – sind vorprogrammiert. Ich studiere etwa gerade das Magazin „Datum“ auf einem iPad, und die Online-Ausgabe schlägt sich nicht nur im Kontrast zum regulären Heft hervorragend. Sondern auch, wenn man es mit internationalen Spitzentiteln wie „Wired“, „Popular Science“, „brand eins“ oder dem altehrwürdigen „Time Magazine“ vergleicht, die alle schon am virtuellen iTunes-Kiosk zu finden sind (dass ich auch die opulent mit Fotostrecken, Videos und Produktinformationen gespickte iPad-Ausgabe von H.O.M.E. erwähne, wird mir hoffentlich nicht als allzu durchschaubare Schmeichelei ausgelegt).

 

 

Happy Birthday, iPad! Als Anfang der Nullerjahre der iPod als „erste kulturelle Ikone des 21. Jahrhunderts“ (so der englische Soziologe Michael Bull) gelauncht wurde, folgte bald darauf das iPhone als Prototyp einer neuen Mobiltelefon-Generation. Apple stieg zum Hohepriester des Hightech-Alltags auf. Und setzte Anfang 2010 mit dem iPad noch eins drauf. H.O.M.E. feiert ein Jahr Tablet-Technik


 

 

Text

Walter Gröbchen

 

Fotos

Beigestellt

 

 

 

Komplette Story: 

H.O.M.E. Februar 2011